Lehrstuhl für Christliche Archäologie und Kunstgeschichte

Suche


Kontakt

Kochstr. 6, 91054 Erlangen, Tel. 09131/85-22778, Fax 09131/85-22034

Email: Heidemarie.Erlwein@fau.de

Leitung:  Prof. Dr. Sörries, Reiner ,  App. 22213

Sekretariat: Erlwein, Heidemarie, App. 22778

wiss. Assistent: N.N., App. 22035

Digitales Bildarchiv und Fotolabor: Nicol M.A., Falk, App. 22804

Info zum Lehrstuhl für Christliche Archäologie und Kunstgeschichte

Die Christliche Archäologie hat ihre Wurzeln im gegenreformatorischen Rom der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts: Mit der Entdeckung der christlichen Wand- und Deckenmalereien in der Katakombe an der Via Anapo anno 1578 sahen die Altgläubigen sich endlich im Besitz eines materiellen Beweises, dass bestimmte Frömmigkeitspraktiken der katholischen Kirche wie Bilderverehrung und Märtyrerkult, die im Vorfeld von den Reformatoren als dem Urchristentum wesensfremd deklariert worden waren, in Tat und Wahrheit bis in apostolische Zeit zurückreichen. Diesen apologetischen Charakter hat das Fach längst verloren. An den Universitäten seit der Mitte des 19. Jahrhunderts etabliert, verblieb es zunächst in den Theologischen Fakultäten, wo es vorwiegend flankierend zur Kirchengeschichte gelehrt wurde; in jüngerer Zeit haben sich jedoch die meisten Fachvertreter im deutschsprachigem Raum die Zugehörigkeit zur Theologie zu Gunsten eines Anschlusses an die Philosophische Fakultät aufgegeben. Nur in Freiburg i. Br. und in Erlangen verblieb der jeweilige Lehrstuhl im theologischen Fächerverband - in Freiburg innerhalb der Katholischen, in Erlangen innerhalb der Evangelischen Theologie. In Erlangen kommt als Besonderheit hinzu, dass sich das Fach hier nicht - wie andernorts - auf die Kunstzeugnisse der frühchristlichen Jahrhunderte und des byzantinischen Ostens beschränkt, sondern einen bewusst breiten Ansatz pflegt: Dies bietet die Möglichkeit, Phänomene wie beispielsweise die Bilderfrage im Christentum, die Nutzung liturgischer Räume, Rezeptionsphänomene oder die Entwicklung der Sakraltopographie über grössere Zeiträume hinweg zu verfolgen und dabei kulturhistorische Veränderungen wahrzunehmen, die sich andernfalls nicht zu erkennen gäben.

Unter der Fachbezeichnung "Christliche Archäologie und Kunstgeschichte" versteht sich der Erlanger Lehrstuhl dezidiert in einer Mittlerposition zwischen den theologischen und den philosophisch-historischen Disziplinen und strebt sowohl in der Lehre als auch in der Forschung eine enge Zusammenarbeit mit der Kirchengeschichte, der Kunstgeschichte, der Klassischen Archäologie und der Mittelalterarchäologie, der Mittelaltergeschichte und den Vertretern der neutestamentlichen Wissenschaft an. Nur in einem solchen interdisziplinären Kontext lassen sich Fragen wie etwa jene nach den Auswirkungen von Religionswechseln auf die (materielle) Kultur einer Gesellschaft, nach der "Heiligkeit" von Bildern und Räumen oder nach dem Verhältnis von religiöser und profaner Kunst kompetent erarbeiten. War das Fach "Christliche Archäologie" vor allem in seinen universitären Anfängen stark durch einen vornehmlich positivistischen Ansatz geprägt, der sich in der Edition von Corpus-Werken etwa der frühchristlichen Sarkophage oder der spätantiken Elfenbeinarbeiten äusserte, so werden in jüngerer Zeit verstärkt kulturantropologische Fragestellungen aus den Nachbarfächern an die frühchristliche Monumente herangetragen und diese dadurch in einen grösseren Diskurs eingebunden, was auch erklärtes Ziel des Erlanger Lehrstuhls für Christliche Archäologie und Kunstgeschichte ist.